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Das Moordorf von Reute

Moordorf von ReuteAusgrabungsfunde im Schorrenried beim Ortsteil Reute weisen auf eine Besiedlung etwa 3.700 v. Chr. hin. Das jungsteinzeitliche Dorf lag an einem kleinen See, der heute verlandet ist. Gefunden wurden Hauspferde, Reste von Holzbauten, Holzgegenstände und ein Kupferdolch, der als älteste Waffe aus Metall in Südwestdeutschland gilt (heute im Württembergischen Landesmuseum Stuttgart).
 
Der Name Reute weist auf eine alemannische Rodesiedlung hin, die durch Reihengräber bestätigt ist, die bei einer Klostererweiterung gefunden wurden. Der bis um 1300 gebräuchliche Name "Luibrathesriute" nennt den Sippenältesten, der wahrscheinlich im vierten Jahrhundert am Platz des heutigen Gasthof Sonne seinen Wohnsitz hatte.
 
Nach den Napoleonischen Kriegen kam Reute 1806 zu Württemberg, nachdem es seit 1331 zu Österreich gehört hatte. 1849 entstand der zur Gemeinde gehörige Bahnhof Durlesbach, der bis 1867 auch für Waldsee zuständig war.


Keiner weiß mehr über das „Moordorf von Reute“
Unter dieser Überschrift erschien am 5. Dezember 2009 im Lokalteil Bad Waldsee der Schwäbischen Zeitung dieser Artikel:

Lothar Grobe, Reutes Ortsvorsteher, zeigte sich über den hohen Zuspruch der informativen sichtlich erfreut. Unter den Gästen befanden sich Bürgermeister Roland Weinschenk, Pfarrer Karl Eiberle, eine große Abordnung von Schwestern des Klosters Reute, Ortsvorsteher, Gemeinde-und Ortschaftsräte sowie Lehrkräfte verschiedener Schulen. Lothar Grobe, führte die unerwartete Resonanz auf die Person des Referenten Dr. Martin Mainberger zurück.
 
Vor 25 Jahren hatte dieser nämlich die Ausgrabungen im Schorrenried geleitet. Heute zählt Dr. Mainberger zu den bekanntesten, erfahrensten, versiertesten Archäologen im Land. Spezialisiert ist er auf Unterwasserarchäologie. „Reute ist ein Teil seines Lebens“, merkte Ortsvorsteher Grobe an. In der Tat erlebten alle Zuhörer einen Wissenschaftler, der voller Enthusiasmus über seine Arbeiten lebendig, anschaulich und verständlich zu informieren versteht.
 
Über neue Erkenntnisse zum Moordorf Reute konnte er dank inzwischen weltweiter Vernetzung durch das Internet die Bestätigung seiner damaligen Arbeitshypothesen zu den aufsehenerregenden Funden im Schorrenried nachweisen.Grundlegend Neues gibt es nicht.

„Die damaligen Entdeckungen in Reute hatten in archäologischen Kreisen wie eine Bombe eingeschlagen“, betonte Dr. Mainberger und erklärte auch, warum dies so ist. Die Jochstangenschleife von Reute, der hohe Anteil an Pferdeknochen, der bronzene Dolch zählen zu den wegweisenden Entdeckungen für die archäologische Forschung.
 
Für den Raum Oberschwaben hat der Fundort Reute neue Erkenntnisse gebracht. Schade ist aus seiner Sicht, dass die Suche nach dem Transportmittel „Einbaum“ im Schlamm des Stadtsees bislang ergebnislos blieb. Dies hätte die Thesen von den Wanderbewegungen dieser Ureinwohner gestützt. Bis 1985 galt Reute als östlichster Fundort einer Pfahlbausiedlung, dann entdeckte man am Starnberger See identische Funde, die ebenfalls auf die Zeit um 3700 v. Chr. Hinweise geben unter anderem mit einem Dolch vom Typ Mondsee. Eine formgetreue Nachbildung des Reutener Dolchs (Stadtarchiv Bad Waldsee) - ebenfalls vom Typ Mondsee - wurde gezeigt. Die prähistorische Forschung verzeichnet heute eine rasante Weiterentwicklung. „Wir wissen mehr als vor 10 Jahren“, so der Referent.
 
Heutige Erkenntnisse, gespeist durch die synchron gehenden klimatischen und wirtschaftlichen Untersuchungen, bestätigen, dass die Ureinwohner von Reute klimabedingt diese Zone verlassen haben müssen. „Sie wären sonst regelrecht abgesoffen“.
 
Eines wurde deutlich beim Vortrag von Dr. Martin Maienberger, der übrigens zahlreiche Publikationen und Bücher veröffentlicht hat, ihm liegt das Moordorf von Reute besonders am Herzen. Er rechnet es zu den archäologischen Denkmalen und Kulturschätzen von europäischem Rang. Es hat seinen Grund, weshalb Reute in den Kreis der Pfahlbaustationen (nördlich der Alpen) einbezogen wird, die sich um die Anerkennung als Weltkulturerbe bewerben. Für ihn stellen sich diese Fundorte als wertvolle wissenschaftliche Ressourcen dar, die es zu schützen gilt. „Ihr Erhalt für kommende Generationen ist auch eine Investition für die Zukunft unserer Kinder“. In der anschließenden Diskussionsrunde verdeutlichte der kompetente Archäologe wie die Sicherung des unter der Erde liegenden Moordorfs erfolgen müsste. Die Vernässung des Gebiets muss gewährleistet werden. Eine Austrocknung würde zu nicht wiedergutmachenden Schäden führen.

Sein Rat: Politisch Verantwortliche und betroffene Grundstücksbesitzer müssen guten Willen zeigen und die Bewirtschaftung (evtl. mit Entschädigungen) der betroffenen Zone durch sichernde Maßnahmen anstreben.

(Bericht und Fotos: Rudi Martin, Haisterkirch)